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  Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe auf Sumatra

Am 02. November 2003 vernichtete eine Sturzflut das Dorf Bukit Lawang auf der indonesischen Insel Sumatra. Mehr als 200 Menschen starben, noch Tage nach der Katastrophe gruben die Überlebenden in den Trümmern des verschlammten Flusses nach ihren vermissten Angehörigen.

1045 Menschen wurden obdachlos. Unter den Obdachlosen waren 453 Kinder - Kinder, die nicht nur ihr Heim, sondern vielfach auch ihre Eltern verloren haben.

Die Überlebenden wurden in ein von der indonesischen Regierung errichtetes Lager evakuiert.

Mit Unterstützung einiger Hilfsorganisationen wurden sie zwar mit Grundnahrungsmitteln, Medizin und dem Notwendigsten an Kleidung, Kochgeschirr etc. versorgt, doch wie wir erfahren hatten, war die Situation der Menschen und besonders der Kinder in der Katastrophenregion nach wie vor verzweifelt.

So beschlossen wir von pro bono, zu helfen:

Aus den Eintrittsgeldern eines Benefizkonzertes und durch zahlreiche, spontane Spenden kamen 2000 € zusammen. Mit diesem Geld flog Chantal Sacher, ein Mitglied unserer Organisation, im Januar dieses Jahres für 2 Monate nach Bukit Lawang / Sumatra, um die Spendengelder vor Ort gezielt einzusetzen.

Der folgende Bericht von Chantal Sacher informiert über die von ihr geleisteten Hilfsmaßnahmen:

„Der hygienische Zustand im Lager war miserabel, die Toiletten nicht mehr benutzbar und das aus einem Brunnen gewonnene Wasser, dass zum Kochen und Waschen benutzt wurde, war stark verunreinigt und es bestand eine große Infektionsgefahr. Besonders die Kinder litten unter juckenden, entzündlichen Hautausschlägen.
Die meisten Kinder waren stark traumatisiert.
Ich traf auf zwei kleine Mädchen: sie hatten eine akute Bronchitis und hohes Fieber. Sofort brachte ich die beiden Mädchen ins Krankenhaus und übernahm die Behandlungskosten.

Ebenso fand ich eine junge Mutter in einem äußerst kritischen Zustand: kurz zuvor hatte sie ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht und war unmittelbar nach der Operation aus dem Krankenhaus entlassen worden, da sie einen weiteren Aufenthalt nicht bezahlen konnte.

Die Bauchwunde war schlecht versorgt und hatte sich entzündet.

Sie litt, ebenso wie ihre anderen drei Kinder, unter schlimmen Ausschlägen, bedingt durch das verschmutzte Wasser im Lager.

Nach Rücksprache mit der Ärztin des Krankenhauses in Bohorok mietete ich eine Hütte außerhalb des Lagers, mit Zugang zu einem Brunnen mit sauberem Wasser. In dieser Hütte sollte die Familie bis zur Genesung bleiben - in der Hoffnung, dass sich die hygienische Situation im Lager in der Zwischenzeit verbessern würde.

Ich beauftragte die Ärztin und eine Krankenschwester mit der wechselnden medizinischen Betreuung der Familie; einmal täglich kamen sie ins Haus zur Behandlung und Verabreichung der nötigen Medikamente.

Für das Neugeborene, das bereits unter Mangelernährung litt, besorgte ich Aufbaumilch und wichtige Stärkungspräparate.

Bis zur Genesung der Mutter setzte ich eine Frau als Haushaltshilfe und Köchin ein, damit die älteste Tochter (14 Jahre), die zur Zeit der Krankheit der Mutter den Haushalt führte, wieder zur Schule gehen konnte.

Die Familie konnte, vollkommen genesen, nach einigen Wochen wieder in das Lager zurückkehren, in dem mittlerweile neue Sanitäranlagen installiert worden waren.

Die Schulen hatten ihren Unterricht kurz nach der Katastrophe fortgesetzt, einige Hilfsorganisationen und die Regierung förderten die Kinder, deren Eltern nicht in der Lage waren, das Schulgeld zu zahlen.

„TK Handayani“, der Vorschulkindergarten von Bukit Lawang, ist jedoch nicht staatlich und wurde deshalb auch nach der Katastrophe von Regierungsseite nicht unterstützt.

Der Kindergarten wurde zwar nicht von der Flut fortgerissen, befand sich allerdings in einem äußerst schlechten Zustand.

Um den Kindergartenkindern im Lager einen freundlichen Ort zu geben, an dem sie spielen und lernen und ihr schweres Schicksal für einige Zeit vergessen können, habe ich einige Helfer engagiert und die Anlage gemeinsam mit ihnen restauriert:

Die Innenräume und das Mobiliar wurden, soweit noch vorhanden, ausgebessert und gestrichen, fehlendes wurde ersetzt. Eine kleine Ruheecke wurde eingerichtet.

Spielzeug, Bastel- und Lehrmaterialien sowie Schulbücher wurden angeschafft.

Wir errichteten einen Zaun um das Gebäude herum, um die Außenspielfläche von der vorbeiführenden Strasse zu trennen, sodass die Kinder nun auch gefahrlos im Freien spielen können.

Nun erfolgt die Bezahlung des Betreuer-Personals normalerweise durch das von den Eltern der Kinder monatlich gezahlte Schulgeld. Nach der Flutkatastrophe jedoch konnte dieses Geld von den Familien verständlicherweise nicht mehr aufgebracht werden.

Um die Betreuung der Kinder durch das Personal des Vorschulkindergartens weiterhin zu gewährleisten, beglich ich sowohl die Schulgeldschulden, die seit der Flutkatastrophe entstanden waren, sowie das ausstehende Schulgeld bis zur Beendigung des Schuljahres 2004 für alle Kinder, die den Kindergarten besuchen.

Allen Kleinkindern aus dem Lager machte ich eine riesige Freude mit der Verteilung von altersgerechtem Spielzeug und kleinen Köstlichkeiten zum Essen und Trinken.

Nun warten die Familien der Kinder darauf, mit Unterstützung der Regierung ihr Dorf an einem anderen, sichereren Ort wieder aufzubauen und hoffen, dass der dann hoffentlich wieder einsetzende Tourismus ihnen bald zu einer neuerlichen Einkommensquelle wird.“

Mit unseren Hilfsmaßnahmen konnten wir den Menschen nicht zurückgeben, was sie verloren haben, aber wir konnten dazu beitragen, die Situation gerade für die Kinder von Bukit Lawang ein Stück weit erträglicher zu machen.

Im Juni 2004 hat uns ein Brief der jungen Mutter erreicht. Sie bedankt sich für alles, was wir für sie getan haben - sie dankt uns dafür, dass wir ihr das Leben und ihren Kindern die Mutter neu geschenkt hätten.

Der Brief ist nur stellvertretend an uns gegangen - gerichtet ist er an all die Menschen, die uns durch ihre spontane Hilfe und ihre Spenden unterstützt und damit unsere Hilfe erst möglich gemacht haben. Ihnen allen gilt dieser Dank.